Wir haben noch nie so viel miteinander kommuniziert wie heute – und uns gleichzeitig noch nie so wenig wirklich miteinander beschäftigt. Wir schicken Sprachnachrichten, WhatsApps, E-Mails und kurze Nachrichten über alle möglichen Kanäle. Wir teilen, liken, kommentieren und reagieren. Und trotzdem fehlt uns oft etwas: Ein echtes Gespräch, ein persönlicher Kontakt oder einfach das Gefühl, dass jemand wirklich zuhört.
Wir alle kennen diese Situation: Eigentlich wäre ein kurzer Anruf viel einfacher. Zwei Minuten telefonieren, eine Frage klären, ein Missverständnis ausräumen. Stattdessen schreiben wir eine Nachricht. Dann kommt vielleicht irgendwann eine Antwort. Und aus zwei Minuten Gespräch werden mehrere Nachrichten, Missverständnisse und manchmal ein ziemlich unpersönlicher Austausch.
Natürlich ist digitale Kommunikation praktisch – sie spart Zeit, macht vieles einfacher und ermöglicht uns, miteinander in Kontakt zu bleiben – unabhängig davon, wo wir gerade sind. Aber sie hat auch eine Kehrseite: Sie macht Kommunikation unpersönlicher. Und ich glaube, gerade deshalb spüren wir immer stärker, wie sehr wir uns nach Menschlichkeit sehnen. Und das spielt für die Fachkräftegewinnung eine größere Rolle, als viele Unternehmen vermuten.
Wir sind Menschen. Keine Profile.
Wenn wir über Fachkräftemangel sprechen, geht es häufig um Gehälter, Benefits, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Karrierechancen und natürlich um die richtige Stellenanzeige. Das ist alles wichtig – aber ich glaube, häufig wird dabei etwas Entscheidendes übersehen:
Menschen suchen nicht nur einen Job. Sie suchen einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen.
Sie möchten wissen: Wie gehen die Menschen dort miteinander um? Wie fühlt sich der Arbeitsalltag an? Wie wird miteinander gesprochen? Wie werden Fehler behandelt? Ist dort Platz für eigene Ideen? Werde ich als Mensch gesehen – oder bin ich am Ende nur eine Personalnummer?
Und genau deshalb glaube ich, dass sich unsere Vorstellung von Jobsuche gerade verändert: Der Jobtitel verliert an Bedeutung. Natürlich ist es weiterhin wichtig, ob jemand als Pflegefachkraft, Marketingmanager, Elektronikerin oder Softwareentwickler arbeitet. Aber der Titel allein entscheidet immer weniger darüber, ob ein Arbeitsplatz attraktiv ist. Entscheidend wird vielmehr die Frage: Wie fühlt es sich an, dort zu arbeiten?
Das wird besonders deutlich, wenn man sich anschaut, was Menschen in manchen Berufen jeden Tag leisten.
Wenn man einmal erlebt hat, welche Arbeit Pflegekräfte auf einer Palliativstation leisten, braucht es nicht viel Fantasie, um zu verstehen, dass dort andere Dinge zählen als ein schickes Büro oder ein Obstkorb. Wer Menschen in ihren letzten Lebensphasen begleitet, Angehörige auffängt, Schmerzen und Ängste miterlebt und dabei selbst jeden Tag emotional gefordert ist, braucht ein gutes Team. Menschen, auf die man sich verlassen kann. Kolleginnen und Kollegen, die füreinander da sind. Wertschätzung – in welcher Form auch immer sie sich zeigt – z. B. eine Führungskraft, die wahrnimmt, wenn jemand an seine Grenzen kommt. Oder einfach das Gefühl: Ich bin hier nicht allein. Genau solche Dinge entscheiden am Ende darüber, ob Menschen gerne an ihren Arbeitsplatz kommen – und ob sie bleiben.
Vielleicht ist das der Grund, warum sich unsere Ansprüche an Arbeitgeber gerade verändern. Wir fragen nicht mehr nur: „Was verdiene ich?“ Wir fragen zunehmend auch: „Wie geht man hier miteinander um?“
Früher haben wir nach Stellen gesucht. Jetzt wird immer häufiger die KI gefragt.
Noch suchen viele Menschen ganz klassisch: Sie gehen direkt auf ein Jobportal und sehen sich Stellenanzeigen an oder geben bei Google einen Suchbegriff ein: „Marketing Jobs Karlsruhe“, „Pflege Jobs Köln“, „Remote Jobs Marketing“ usw. Das funktioniert. Aber schon jetzt verändert sich die Art, wie Menschen nach ihrem nächsten Arbeitgeber suchen. Denn warum sollte ich mich durch 300 Stellenanzeigen klicken, wenn ich einer KI einfach sagen kann: „Ich suche einen Arbeitgeber im Raum Karlsruhe. Ich möchte gerne flexibel arbeiten, ein wertschätzendes Umfeld, möglichst wenig Hierarchie und ein Unternehmen, das Digitalisierung wirklich lebt. Welche Arbeitgeber könnten zu mir passen?“
Das ist eine völlig andere Form der Jobsuche. Die KI sucht dann nicht mehr nur nach dem passenden Stellentitel. Sie versucht, einen passenden Arbeitgeber zu finden. Und damit verändert sich auch die Frage, die Unternehmen sich stellen müssen. Nicht mehr nur: „Wie bekommen wir unsere Stellenanzeigen bei Google sichtbar?“, sondern: „Was findet eine KI über uns, wenn jemand wissen möchte, wie es ist, bei uns zu arbeiten?“
An diesem Punkt wird es für Arbeitgeber relevant
Eine KI kann nicht aus dem Nichts eine Unternehmenskultur erfinden. Wenn ein Unternehmen auf seiner Website schreibt: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ – dann ist das zunächst einmal nur ein Satz. Wenn diese Aussage bzw. diese Haltung aber an vielen Stellen belegt wird, wird sie glaubwürdig – auch für die KI.
Zum Beispiel durch Geschichten von Mitarbeitenden, in authentischen Bildern, Zitaten oder Erfahrungsberichten. In der Art, wie Führungskräfte vorgestellt werden. In Bewertungen auf externen Portalen, in Social-Media-Beiträgen, Presseartikeln oder der eigenen Karriereseite.
Nehmen wir zum Beispiel zwei Unternehmen, die beide eine Marketingmanagerin suchen:
Unternehmen A schreibt: „Wir suchen eine engagierte Marketingmanagerin (m/w/d) zur Verstärkung unseres Teams.“
Unternehmen B schreibt: „Du kommst morgens ins Büro und weißt noch nicht genau, was der Tag bringt. Das ist manchmal herausfordernd. Aber genau das mögen viele von uns. Wir sind ein kleines Team, sprechen Dinge direkt an und probieren lieber etwas aus, als wochenlang darüber zu diskutieren.“
Möglicherweise suchen beide Unternehmen exakt dieselbe Person. Aber welches Unternehmen kann man sich besser vorstellen? Welches bleibt im Kopf? Und bei welchem bekommt man ein Gefühl dafür, wie der Arbeitsalltag aussehen könnte?
Und bei welchem Unternehmen wird Menschlichkeit auch durch andere „Quellen“ belegt? Unternehmen B kann schöne Sätze auf seine Website schreiben, wenn aber gleichzeitig Erfahrungsberichte von aktuellen Mitarbeitenden ein negatives Bild des Unternehmens zeigen, nützen die tollsten Formulierungen nichts.
KI wird also auch zum Filter. Wenn die Aussagen des Unternehmens nicht mit anderen Quellen übereinstimmen, merkt das die KI.
Menschlichkeit wird zum „Wettbewerbsvorteil“
Ich glaube, dass Arbeitgeber künftig viel stärker darüber nachdenken müssen, welches Bild sie im digitalen Raum von sich zeichnen. Nicht, um sich „für eine KI zu optimieren“, sondern um das sichtbar zu machen, was idealerweise ohnehin längst vorhanden ist. Sie müssen sich verstärkt fragen: Sind wir wirklich menschlich? Wenn ja: Was macht uns menschlich? Und wie können wir das nach außen sichtbar und erlebbar machen?
Zum Beispiel durch Fragen wie: Warum bleiben Menschen bei uns? Wir haben eine geringe Fluktuation – aber warum eigentlich? Was erzählen Mitarbeitende ihren Freunden über ihren Arbeitsplatz? Was macht den Montagmorgen vielleicht ein kleines bisschen besser? Wie geht die Geschäftsführung mit Menschen um? Was passiert, wenn jemand einen Fehler macht? Wie fühlt sich ein:e neue:r Mitarbeiter:in in den ersten Wochen? Wird er oder sie aktiv beim Einstieg begleitet und wenn ja, in welcher Form?
Das sind Fragen, die für die zukünftige digitale Arbeitgeberpräsenz immer wichtiger werden. Denn Suchsysteme – und auch KI-Systeme – greifen auf Informationen zurück, die irgendwo im digitalen Raum vorhanden sind. Je mehr Menschen ihre Entscheidungen über solche Systeme vorbereiten lassen, desto wichtiger wird es, sich als Unternehmen darüber bewusst zu sein, welches Bild von ihm dort entsteht oder bereits existiert.
Wir müssen wieder menschlicher werden, um digital sichtbar zu bleiben
Das klingt zunächst paradox. Aber ja, genau das glaube ich. Denn je digitaler unsere Kommunikation wird, desto wertvoller werden echte Geschichten von Menschen. Je mehr Informationen verfügbar sind, desto wichtiger wird Vertrauen. Je mehr Unternehmen um Aufmerksamkeit kämpfen, desto stärker bleibt das hängen, was sich echt anfühlt.
Und je mehr Menschen ihre beruflichen Entscheidungen mit Unterstützung von KI treffen, desto wichtiger wird die Frage, ob ein Unternehmen überhaupt genügend authentische Informationen hinterlassen hat, aus denen sich ein glaubwürdiges Bild ableiten lässt. Bald werden wir nicht mehr fragen: „Wie komme ich bei Google auf Platz 1?“ Sondern: „Was würde eine KI über uns erzählen, wenn ein Mensch sie fragt, warum er ausgerechnet bei uns arbeiten sollte?“
Und diese Antwort beginnt nicht bei der Technik. Sie beginnt bei den Menschen im Unternehmen. Bei ihrer Geschichte, ihren Erfahrungen, bei dem, was sie täglich erleben. Und bei der einfachen Frage: Wie fühlt es sich an, bei uns zu arbeiten?
Menschen suchen keine perfekten Arbeitgeber. Sie suchen Arbeitgeber, bei denen sie sich als Mensch gesehen fühlen. Und wahrscheinlich ist das die Art von Sichtbarkeit, die in Zukunft am meisten zählt.
Vielleicht haben Sie beim Lesen gedacht: „Eigentlich sind wir ein richtig guter Arbeitgeber – aber zeigen wir das auch?“
Dann lassen Sie uns darüber sprechen.
Ich sehe mir Ihre digitale Arbeitgeberpräsenz aus der Perspektive potenzieller Mitarbeiter:innen an – und helfe Ihnen dabei, sichtbar zu machen, was Sie als Arbeitgeber wirklich auszeichnet. Lassen Sie uns darüber sprechen. Ganz unkompliziert und persönlich.

