„Wir finden keine Auszubildenden“ – Die Wahrheit ist: sie finden euch nicht.

von | 12. März 2026 | Employer Branding, Candidate Experience, Karriereseite

„Wir suchen seit Monaten Azubis – aber es meldet sich einfach niemand.“ Diesen Satz höre ich in vielen Gesprächen mit Unternehmen. Besonders im Handwerk, im Bau oder im Gesundheitsbereich berichten Betriebe immer wieder von denselben Erfahrungen: Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt, Bewerbungen bleiben aus und die Suche nach Nachwuchskräften wird immer schwieriger. Viele Betriebe stellen sich deshalb die Frage: Warum finden wir keine Azubis mehr? Der Azubi-Mangel im Handwerk scheint inzwischen fast zur Normalität geworden zu sein.

Doch die Erklärung „Jugendliche wollen heute einfach nicht mehr arbeiten“ greift zu kurz. In der Praxis zeigt sich häufig ein anderes Problem: Viele Unternehmen sind dort, wo Jugendliche nach Ausbildungsplätzen suchen, gar nicht sichtbar. Oder anders gesagt: Es ist weniger so, dass Betriebe keine Azubis finden – sondern dass Jugendliche den Betrieb online gar nicht entdecken.

Wie Jugendliche heute Ausbildungsplätze suchen

Früher lief die Suche nach einer Ausbildung häufig noch recht klassisch ab:

  • über die Berufsberatung der Arbeitsagentur
  • über Anzeigen in der Zeitung
  • über Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis
  • oder durch Initiativbewerbungen bei Betrieben

Heute funktioniert das anders: Jugendliche wachsen mit Smartphone, Internet und Social Media auf. Wenn sie sich über Berufe informieren oder nach Ausbildungsplätzen suchen, nutzen sie ganz selbstverständlich digitale Wege. Wer heute Azubis im Handwerk finden möchte, sollte verstehen, wie Jugendliche tatsächlich suchen.

Google ist oft der erste Schritt

Viele Jugendliche beginnen ihre Recherche ganz einfach über Google. Typische Suchanfragen sind zum Beispiel:

  • „Ausbildung Elektriker Karlsruhe“
  • „Ausbildung Pflege in meiner Nähe“
  • „Ausbildung im Bauhandwerk“

Wenn ein Betrieb bei solchen Suchanfragen nicht auftaucht, wird er schlicht nicht wahrgenommen. Genau deshalb wird es immer wichtiger, die eigene Ausbildung sichtbar zu machen – besonders online.

KI-Tools wie ChatGPT werden immer häufiger genutzt

Neben Google nutzen immer mehr Jugendliche auch KI-Tools für ihre Recherche. Dort stellen sie Fragen wie:

  • „Welche Ausbildungsberufe gibt es im Handwerk?“
  • „Welche Firmen bilden Anlagenmechaniker in meiner Nähe aus?“
  • „Welche Betriebe bieten eine gute Ausbildung?“

Auch hier gilt: Wenn ein Unternehmen online kaum Informationen über seine Ausbildung anbietet, taucht es in solchen Empfehlungen nicht auf.

Für Betriebe wird deshalb Online-Sichtbarkeit zum wichtigen Teil der Azubi-Gewinnung.

Social Media als Informationsquelle

Jugendliche informieren sich außerdem über Social Media über Berufe und mögliche Arbeitgeber. Besonders relevant sind dabei Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube. Dort schauen sie sich zum Beispiel an, wie der Arbeitsalltag im Betrieb aussieht, welche Aufgaben ein Beruf beinhaltet, wie das Team zusammenarbeitet, wie sympathisch oder humorvoll ein Betrieb wirkt. Ein lustiges Video wird schnell geteilt – und dann bekommen es auch Jugendliche zu sehen, die vielleicht erst dadurch auf einen Betrieb aufmerksam werden.

Wichtig: Facebook spielt für die wenigsten Jugendlichen eine Rolle. Und trotzdem investieren Unternehmen oft hauptsächlich dort Zeit – erreichen damit aber vor allem ihre Kundschaft oder ältere Zielgruppen. Das ist nicht grundsätzlich falsch, weil sie dann auch Eltern von potenziellen Azubis erreichen können (die sehr oft die Ausbildungsentscheidung mit beeinflussen) – aber es ist eben nicht der direkte Weg.

Wer dagegen gezielt Azubis online ansprechen möchte, sollte stärker auf die Plattformen schauen, die junge Menschen tatsächlich nutzen.

Warum viele Betriebe keine Azubis finden

Wenn Jugendliche nach Ausbildungsplätzen suchen, passiert häufig Folgendes: Sie geben eine Suchanfrage bei Google ein oder schauen sich verschiedene Betriebe online an. Dabei entstehen insbesondere zwei typische Situationen.

Variante 1: Der Betrieb taucht online gar nicht auf.

Variante 2: Es gibt zwar eine Website – aber dort finden sich keine Informationen zur Ausbildung. In der Praxis sieht das oft so aus:

  • Auf der Website wird Ausbildung gar nicht erwähnt
  • Es gibt keine Karriere- bzw. Ausbildungsseite
  • Stellenanzeigen sind veraltet
  • Informationen zum Ausbildungsberuf fehlen
  • Einblicke in den Arbeitsalltag gibt es nicht

Ich bin im Juli 2026 auf eine Ausbildungsstelle gestoßen, in der stand: „Ausbildungsbeginn ist der 1.9.2019“. Was werden (eigentlich) interessierte Jugendliche dann wohl denken? Sehr wahrscheinlich: „die suchen bestimmt gar nicht mehr“ – oder schlimmer: „Ausbildung scheint bei denen ja nicht so einen hohen Stellenwert zu haben, wenn sie jahrelang die Stelle nicht aktualisieren“. Sehr oft sind es kleine Details, die aber eine große (oft negative) Wirkung haben.

Ein anderes, typisches Szenario: der Betrieb veröffentlicht bei der Arbeitsagentur eine Ausbildungsstelle. Der interessierte Jugendliche geht danach auf die Website des Betriebs und findet dort – nichts. Keine Info zur Ausbildung, keine Info zum Team oder zum Arbeitsalltag. Das Ergebnis: der Jugendliche klickt weiter und ist schnell beim nächsten Betrieb, der vielleicht mehr Informationen bietet.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis

Ein Jugendlicher sucht eine Ausbildung als Anlagenmechaniker SHK. Er googelt: „Ausbildung Anlagenmechaniker Karlsruhe“, bekommt einige Angebote angezeigt und klickt dann auf den jeweiligen Link zur Website.

Betrieb 1: Eine moderne Website mit einer eigenen Ausbildungsseite. Es finden sich Informationen zum Beruf, Fotos aus dem Arbeitsalltag, ein kurzes Video, indem ein aktueller Azubis von seiner Ausbildung erzählt, und eine einfache Bewerbungsmöglichkeit.

Betrieb 2: Eine ältere Website, auf der lediglich ein kurzer Satz steht: „Wir bilden auch aus.“ Weitere Informationen fehlen.

Für Jugendliche ist die Entscheidung in solchen Situationen meist schnell getroffen. Das zeigt, wie wichtig es ist, die eigene Ausbildung im Handwerk sichtbar zu machen.

Jugendliche wollen wissen, wie es wirklich ist

Für junge Menschen ist die Wahl eines Ausbildungsbetriebs eine wichtige Entscheidung. Sie stehen am Anfang ihres Berufslebens, sie sind unsicher und wollen wissen, was auf sie zukommt.

Sie möchten wissen:

  • Wie die Stimmung im Team ist
  • Welche Aufgaben sie als Azubis im Alltag erwarten
  • Wer die Ausbildung im Betrieb begleitet
  • Wie ein typischer Arbeitstag abläuft
  • Welches Gehalt sie bekommen
  • oder schlicht: ob sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Betrieb kommen

Diese Fragen lassen sich mit einer klassischen Stellenanzeige kaum beantworten. Jugendliche möchten vielmehr einen echten Eindruck vom Betrieb bekommen. Aber nicht nur sie – auch ihre Eltern wollen Informationen über den zukünftigen Ausbildungsbetrieb ihres Kindes.

Hilfreich sind zum Beispiel:

  • Fotos aus dem Arbeitsalltag
  • kurze Videos aus dem Betrieb
  • Interviews mit aktuellen Azubis
  • Einblicke in Projekte oder Baustellen
  • ein Blick hinter die Kulissen

Betriebe, die solche Einblicke geben, wirken automatisch nahbarer und authentischer. Deshalb sind solche Inhalte ein wichtiger Bestandteil von Azubi-Recruiting im Handwerk.

Sichtbarkeit ist heute entscheidend

Viele Unternehmen denken beim Thema Azubi-Gewinnung zunächst an Stellenanzeigen, Ausbildungsmessen, Flyer oder Broschüren. Das sind weiterhin sinnvolle Maßnahmen. Doch sie reichen heute oft nicht mehr aus. Wer heute erfolgreich Azubis finden möchte, muss online sichtbar sein.

Wie Betriebe ihre Ausbildung sichtbarer machen können

Die gute Nachricht ist: Sichtbarkeit lässt sich aufbauen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können bereits mit einigen grundlegenden Maßnahmen viel erreichen.

Eine Website, die auch Ausbildung zeigt

Viele Unternehmenswebsites richten sich ausschließlich an Kunden. Wenn aber ein Betrieb Azubis sucht, sollte es eine eigene Seite geben, zum Beispiel: „Ausbildung bei uns“.

Dort können Informationen stehen wie:

  • Welche Berufe ausgebildet werden
  • Wie die Ausbildung im Betrieb abläuft
  • Welche Aufgaben Azubis übernehmen
  • Wer Ansprechpartner im Betrieb ist
  • Wie eine Bewerbung möglich ist

So lässt sich die eigene Ausbildung im Handwerk gezielt bewerben.

Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil

Das Google-Unternehmensprofil gehört zu den wichtigsten Faktoren für lokale Sichtbarkeit. Wenn jemand nach einem Betrieb in der Nähe sucht, erscheinen häufig zuerst die Einträge aus Google Maps.

Dort sollten zu finden sein:

  • aktuelle Fotos
  • eine Beschreibung des Unternehmens
  • Öffnungszeiten
  • ein Link zur Website

Idealerweise wird auch dort sichtbar gemacht, dass der Betrieb ausbildet.

Einblicke in den Arbeitsalltag

Jugendliche möchten sehen, wie ein Beruf wirklich aussieht. Das können ganz einfache Inhalte sein:

  • Fotos von Baustellen oder Projekten
  • kurze Videos aus dem Arbeitsalltag
  • Einblicke in das Team
  • Beiträge über aktuelle Azubis

Plattformen wie Instagram oder TikTok eignen sich dafür besonders gut. Dabei müssen keine aufwendigen Videos produziert werden. Echte, sympathische, vielleicht sogar humorvolle Einblicke wirken oft deutlich überzeugender.

Ein einfacher Bewerbungsprozess

Viele Betriebe verlieren potenzielle Bewerber:innen, weil der Bewerbungsprozess zu umständlich ist. Das hat weniger mit Faulheit zu tun, als mit der Lebensrealität: Wer damit aufgewachsen ist, dass Informationen schnell erhältlich und genauso schnell übermittelbar sind, hält sich eher nicht mit Prozessen auf, bei denen das nicht möglich ist. Im Zweifelsfall bricht er die Bewerbung ab und bewirbt sich beim nächsten Betrieb, bei dem eine Bewerbung unkomplizierter möglich ist.

Ein Anschreiben zu verfassen, einen Lebenslauf zu erstellen, Zeugnisse hochzuladen – was für die Generation der Betriebsinhaber:innen selbstverständlich ist, ist für viele Jugendliche eine Hürde. Man kann das nun gut finden oder schlecht – das ändert aber nichts daran, dass umständliche Bewerbungsprozesse eher abgebrochen werden, als unkomplizierte, bei denen man vielleicht nur eine E-Mail mit Angabe von Name, Telefon und Schulabschluss schreiben muss.

Ein Perspektivwechsel kann helfen

Statt sich zu fragen: „Warum finden wir keine Azubis?“ kann eine andere Frage hilfreicher sein: „Können Jugendliche unseren Betrieb überhaupt finden?“ Und: „wie attraktiv wirken wir eigentlich auf Jugendliche, die Interesse an einer Ausbildung hätten?“

Denn die meisten Unternehmen bieten eine gute Ausbildung. Doch wenn diese Informationen online nicht sichtbar sind, erfahren Jugendliche nichts davon.

Wie sichtbar ist der eigene Betrieb wirklich?

Nach meiner Erfahrung ist den meisten Betrieben gar nicht bewusst, dass sie „online unsichtbar“ sind. Sie denken „wir haben doch eine Website“ oder „wir haben eine Stelle bei der Arbeitsagentur veröffentlicht“. Erst wenn ich dann die einzelnen Kontaktpunkte und die Zusammenhänge mit ihnen durchgehe und ihnen zeige, wo es „hakt“, verstehen sie die Wichtigkeit Ihres Online-Auftritts für die Azubi-Gewinnung.

Wer Azubis online finden möchte, sollte zunächst prüfen, wie sichtbar der eigene Betrieb tatsächlich ist. Dafür habe ich einen kurzen Online-Test entwickelt, mit dem sich in wenigen Minuten herausfinden lässt,

  • wie sichtbar ein Betrieb online wirklich ist
  • ob Jugendliche ihn überhaupt finden können
  • und wo es konkrete Verbesserungspotenziale gibt

Der Test dauert nur wenige Minuten und zeigt schnell, wo Ihr Betrieb aktuell steht:

Der Fachkräfte- und Azubi-Mangel im Handwerk ist real – daran besteht kein Zweifel. Doch ein Teil des Problems liegt nicht daran, dass Jugendliche keine Ausbildung machen wollen. Oft liegt es daran, dass Unternehmen dort, wo junge Menschen suchen, nicht auftauchen. Betriebe, die präsent sind und authentische Einblicke geben, haben deutlich bessere Chancen, passende Azubis zu gewinnen.

Die gute Nachricht ist: Sichtbarkeit lässt sich aufbauen. Und oft sind es schon kleine Veränderungen, die einen großen Unterschied machen.