Auszubildende für Handwerksbetrieb
„Wir finden einfach keine Azubis mehr“
Ich saß dem Inhaber eines kleinen Handwerksbetriebs gegenüber. Ein Familienbetrieb, der schon seit Jahren ausbildet. Früher gab es keine Probleme, Nachwuchs zu finden – „Man kannte sich“. Heute ist es schwieriger und viele glauben, es läge am „Fachkräftemangel“ oder dass „die Jugendlichen gar nicht mehr arbeiten wollen“.
„Was machen wir falsch? Warum bewirbt sich niemand bei uns?“
Meine Überzeugung ist, dass das Problem nicht an genannten Gründen liegt, sondern daran, dass die Betriebe und die Azubis nicht zueinander finden. Sie sind schlicht an anderen Orten unterwegs. Das fängt damit an, dass Betriebe oft auf Facebook nach Auszubildenden suchen, Jugendliche im Alter von 15-17 Jahren aber Facebook gar nicht nutzen (sondern eher TikTok oder Instagram).
Der Betrieb suchte also dringend Auszubildende. Sie hatten eine Stellenanzeige bei der Arbeitsagentur geschaltet und man war sich sicher: „Wir haben doch alles gemacht, was man machen muss. Auch eine Website haben wir.“
Der Moment der Ehrlichkeit
Nachdem ich mir den Webauftritt des Betriebs genauer angesehen hatte, wurde schnell klar, wo das eigentliche Problem lag: Der Betrieb war online praktisch unsichtbar.
Das ist, was ich recht häufig sehe: Die Betriebe haben eine Website, die irgendwann mal erstellt wurde. Sie wird intern sporadisch gepflegt, sofern zwischendurch mal Zeit da ist. Das ist verständlich, weil es eben nicht zur Hauptaufgabe eines Inhabers gehört, sich um solche Dinge zu kümmern, und der Arbeitsalltag dafür ohnehin kaum Raum lässt.
Aber Verständnis bringt einen Betrieb, der Auszubildende sucht, eben nicht weiter. Die Website ist das Unternehmen in digitaler Form. Dessen muss man sich bewusst sein. Alles, was auf der Website nicht vorhanden, nicht gut nutzbar oder veraltet ist, fällt auf den Betrieb zurück, ob man will oder nicht.
Erkenntnisse
Auf der Website gab es kein Wort zu Ausbildung oder offenen Stellen. Das ist besonders dann ungünstig, wenn eine Stellenanzeige auf einem externen Portal geschaltet wurde (wie z. B. bei der Arbeitsagentur). Denn der Weg für Bewerber:innen ist nie „Stellenanzeige ansehen und direkt bewerben“. Sondern: die Stellenanzeige wird als interessant empfunden, dann wird nach dem Unternehmen gegoogelt, weil man noch mehr über das Unternehmen, das Team und die Arbeitsatmosphäre erfahren möchte. Wenn Interessent:innen keine Einblicke, keine Ansprache und keinen Grund finden, warum sie sich dort bewerben sollten, dann sind sie schnell wieder weg und klicken zum nächsten Unternehmen.
Der Betrieb war stolz auf seinen Social-Media-Account bei Facebook. „Wir schreiben dort immer wieder, dass wir Azubis suchen.“ Das Problem mit der Azubi-Suche auf Facebook (ich hatte es oben schon angerissen) ist, dass Jugendliche im Ausbildungsalter dieses Portal so gut wie nicht nutzen. Es ist zwar nicht grundsätzlich falsch, auf Facebook auch für die Azubi-Suche aktiv zu sein – aber es ist nicht der direkte Weg: Man wird dort eher die Eltern der Jugendlichen erreichen, nicht aber die Jugendlichen selbst.
Die Website war über Google kaum auffindbar. Auch auf Google Maps gab es nur rudimentäre Angaben, da das Unternehmensprofil nicht gepflegt wurde. Das Google Unternehmensprofil ist jedoch gerade für lokale Betriebe unverzichtbar.
Sichtbarkeit bedeutet nicht, irgendwo im Internet zu existieren. Sichtbarkeit bedeutet, genau dort stattzufinden, wo die Menschen suchen, die man für seinen Betrieb gewinnen möchte. Und genau das war hier nicht der Fall.
Mein Ansatz: Den Betrieb endlich sichtbar machen
Hier ging es nicht um komplizierte Strategien, sondern mit den Grundlagen – aber richtig.
1. Eine Website, die wirklich anspricht
Ich habe die Website komplett neu gedacht – aus Sicht eines potenziellen Azubis:
- Eine klare Ausbildungsseite statt versteckter Informationen
- Ehrliche Einblicke: Wie ist die Arbeit wirklich? Wie tickt das Unternehmen? Welche Menschen arbeiten dort?
- Konkrete Antworten auf echte Fragen
- Eine einfache Möglichkeit, sich zu bewerben – auch mobil und ohne Hürden
Der Betrieb wurde auch online erkennbar zu einem attraktiven Arbeitgeber.
2. Endlich auffindbar bei Google
Der nächste Schritt war entscheidend: Der Betrieb bekam ein professionell aufgesetztes Google-Unternehmensprofil. Mit Bildern, echten Einblicken und klaren Informationen. Der Betrieb tauchte daraufhin bei lokalen Suchen auf.
3. Social Media – aber ehrlich
Facebook wurde weiter bespielt. Gleichzeitig konnte ich den Inhaber überzeugen, auch Instagram zu nutzen. Ich baute eine Präsenz auf und unterstützte bei der Umsetzung, indem ich half, einen Contentplan zu erstellen und Tipps für die Postings gab: Einblicke in den Berufs- und Azubi-Alltag, Fotos bzw. Gesichter von echten Menschen, die im Betrieb arbeiteten, kleine Momente von der Baustelle oder aus der Mittagspause.
Ziel war nicht, einen perfekten Social-Media-Auftritt zu haben, sondern Interesse und Vertrauen bei potenziellen Bewerber:innen aufzubauen. Denn gerade junge Menschen entscheiden sich nicht nur für einen Job – sondern für ein Umfeld.
4. Alles greift ineinander
Es geht nie um einzelne Maßnahmen. Sondern darum, dass alles zusammenpasst: Dass Menschen über die Stellenanzeige und über Google zur Website finden. Dass die Website überzeugt und dass Social Media Interessent:innen ein gutes Gefühl für den Betrieb gibt.
So entsteht etwas, das vorher komplett gefehlt hat: Ein stimmiges Gesamtbild.
Was sich veränderte
Die Veränderung kam nicht über Nacht, aber sie kam spürbar: Die Website wurde besucht, Der Betrieb wurde wahrgenommen, erste Bewerbungen gingen ein. Und dann kam der Satz, der alles zusammenfasst: „Endlich meldet sich überhaupt mal jemand.“
Dieser Fall zeigt etwas sehr Grundlegendes: Es mangelt im Handwerk nicht an guten Betrieben und guten Arbeitgebern. Aber es mangelt häufig an der Sichtbarkeit. Oder anders gesagt: Wenn einen niemand sieht, kann sich auch niemand für einen entscheiden.
Lassen Sie uns sprechen!
Jedes Unternehmen und jede Ausgangssituation ist anders. In einem ersten Gespräch klären wir gemeinsam, welche Ziele Sie mit Ihrem Webauftritt verfolgen, welche Herausforderungen aktuell bestehen und welche Form der Zusammenarbeit sinnvoll sein kann.
Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme!
